Vorausschau

Für das Jahr 2019 soll wieder Barock­musik im Vorder­grund der Kantorei­arbeit stehen. Am Karfreitag singt die Kantorei Teile aus der h-Moll-Messe von J. S. Bach und in verschie­de­nen Gottes­diens­ten Motetten von Heinrich Schütz und aus der Bach-Familie. Da­neben stehen u. a. Werke von Mendelssohn, Schubert und Händel auf dem Programm. Am 14. Dezember wird das Weih­nachts­oratorium auf­geführt.

Rückblick

  Wochen im Elias-Fieber (2018)  ▾


Auf der Kantorei-Startseite kann man über uns lesen, dass wir „selbst­bewusst, moti­viert, offen, viel­fältig und erwar­tungs­voll“ sind. Das stimmt in der Tat, aber gerade im Rück­blick auf die letzten Monate möchte ich einen ganz wich­tigen Faktor hinzu­fügen: Wir werden ge­leitet, ge­fordert und geför­dert durch unsere Kantorin Elisa­beth Kin­del, die hohe fach­spezifi­sche Fähig­keiten mit­bringt und diese – gepaart mit tiefer religiöser Über­zeugung – moti­vierend und enga­giert auf ihre Kantorei überträgt, was sicher nicht immer leicht ist, denn es gilt, über 80 Sänge­rinnen und Sänger zwischen 20 und 80 Jahren alt, die unter­schied­lichste berufliche, private und musikalische Erfahrungen und Meinungen mit­bringen, zusam­men­zufüh­ren und zum diszipli­nier­ten Kantorei- und Pro­ben-„Dienst“ an­zuhalten. Unsere Kan­torin hat gerade in den Vor­berei­tungs­monaten auf die „Elias“-Auf­füh­rung diese Mam­mut-Aufgabe geschafft – auch durch einen guten Umgang mit koope­rativen Hin­weisen und dem Einsatz von orga­ni­sa­tori­schen Helfern „hinter den Kulissen“.

Nach dem Konzert am Buß- und Bettag am 21. November 2018 in unserer herr­lichen und bestens gefüllten Paul-Ger­hardt-Kirche sind wir von der Kantorei – jeder Einzelne – dankbar und auch ein wenig stolz, dass wir Teil der Musizier­gemein­schaft sein durften, die Mendels­sohns großartiges Werk „Elias“ er­klin­gen ließ. Wir haben das Publikum in der Kirche an­gesteckt mit unserem „Elias“-Fie­ber, und die Menschen hatten direkt oder un­bewusst begriffen, wo­von der Chor sang: „Wohl dem, der den Herrn fürch­tet“. Durch vielerlei Rück­meldun­gen er­fuhren wir, dass die Zuhörer emotional stark beeindruckt waren von der ein­heit­lichen und über­zeugenden Um­setzung des Werkes durch den Chor, durch Or­chester und Solisten – geleitet durch das souveräne Dirigat unserer Kantorin.

Probenwochenende in Dahme/Brandenburg

Dieses Konzert war und ist ein Meilen­stein in unserer Kantorei-Geschichte, der das enge Band zwischen Kantorin und Kantorei noch fester geknüpft hat. Es lässt uns die Mühen des Proben-Alltags ver­gessen und ist Kraft­quell für kom­mende Aufgaben. Einhellig stellen wir fest: Es hat sich gelohnt, keiner denkt mehr zurück an die Hürden des Proben­beginns im Sommer 2018, wo manche musika­lische Passage doch noch sehr „ausbau­fähig“ klang. Aber wir ließen uns nicht ent­mutigen: Voller Elan blieben wir am Ball, übten, dis­kutier­ten, übten erneut, trafen uns zum Proben-Sonnabend im Sep­tember, dann zum Proben­wochen­ende Anfang Novem­ber in Dahme, wo endlich auch mal Zeit war zum Schwatzen und Feiern, wo aber erneut „Elias“ viele Stunden am Tag unser Wirken be­stimmte. Und manchmal fragten wir uns: woher nimmt unsere Kan­torin mental und künst­lerisch die Kraft, die sie auf uns überträgt, was auch die Fotos von der Kantorei­fahrt nach Dahme ein wenig zeigen sollen. Danke, liebe Elisabeth und danke auch an Daniel Vogt, dem hervorragenden Kor­repe­titor an deiner Seite, der uns zum Proben­wochen­ende noch mit einem genia­len Orgel­vortrag zu später Stunde be­geisterte.

Wir von der Kantorei gehen nach diesen „Elias“-Wochen gestärkt und fröhlich an unsere schönen und viel­fältigen Auf­gaben; ob in Gottes­diensten, bei Kon­zer­ten, bei Feiern im kirch­lichen Alltag oder bei gesel­ligen Kantorei-Festen. Gemein­sam beseelt uns unser Auftrag

„Cantate domino“– Singet dem Herrn!

Text: Ute Frester, Chorsprecherin
Fotos: Dirk Heyne, Chorsprecher


Die Aufnahme soll einen Eindruck des Konzertabends wiedergeben. Zu hören sind der Schluss­chor des 1. Teils „Dank sei dir, Gott“ und aus dem 2. Teil der Chor „Siehe, der Hüter Israels“ (ab 4:12 min).

 

  Antonio Vivaldi: „Gloria in D-Dur“ (2018)  ▾


Am Ostersonntag zum Festgottesdienst führte unsere Kantorei das „Gloria in D‑Dur“ von Antonio Vivaldi (1678–1748) auf. Es spielte das Ensemble Jürgen Hart­mann, es sangen die Solistinnen Susanne Haupt (Sopran) und Ingeborg Nielebock (Alt). In unserer Hörprobe finden Sie die Teile „Gloria“, „Et in terra pax“ (ab 2:28 min) und „Domine, fili unigenite“ (ab 5:55 min):

 

Antonio Vivaldi hat dieses sein bekanntestes kirchenmusikalisches Werk ver­mutlich für das Orchester und den Chor des Mädchen-Waisenhauses „Ospedale della Pietà“ in Venedig geschrieben, wo er als Instrumental­lehrer und Kapell­meister angestellt war. Unter seiner Leitung erlangte das Orchester ein beacht­liches Niveau, sodass Konzerte mit Eintrittsgeldern gegeben wurden, die zum Erhalt des Waisenhauses beigetragen haben. Das „Gloria“ ist ein groß angeleg­tes Werk im Stile der „missa concertata“ und umfasst zwölf Teile. Der latei­ni­sche Text stammt aus der Liturgie, die auch heute noch in der katholischen Sonn­tagsmesse gesungen bzw. gebetet wird.

 

  J. S. Bach: Weihnachtsoratorium zum Zuhören und Mitsingen (2017)  ▾


„Jauchzet, frohlocket“ gemeinsam mit Kantorei und Orchester – ein besonderes Weihnachtsoratorium fand am 15. Dezember 2017 in der Connewitzer Paul-Gerhardt-Kirche statt: Bei dieser Aufführung durfte mitgesungen werden! Es erklangen die Kantaten I–III des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Wer mitsingen wollte, brachte eigene Noten mit und saß im Publikum. Die Choräle und das Da capo der Eingangschöre der ersten und dritten Kantate konnten mitgesungen werden.

Begleitet wurden die Paul-Gerhardt-Kantorei und der Kirchenchor St. Boni­fa­tius-Süd (Leitung: Stephan Gogolka) vom Mitteldeutschen Kammerorchester und den Solisten Susanne Haupt (Sopran), Ingeborg Nielebock (Alt), Stephan Scher­pe (Tenor) und Stephan Heinemann (Bass). Die Leitung hatte Elisabeth Kindel.


Das folgende Audio enthält in einer Zusammen­stellung die Chöre und Choräle „Jauchzet, frohlocket“, „Wie soll ich dich empfangen“ (ab 8:35 min), „Ach mein herzliebes Jesulein“ (ab 9:53 min), „Brich an, o schönes Morgenlicht“ (ab 11:10 min) und „Herrscher des Himmels“ (ab 12:15 min); es soll einen kleinen Ein­druck des Konzert­abends wieder­geben:

 
 

  Musik zur Sterbestunde am Karfreitag (2017)  ▾


In der Paul-Gerhardt-Kirche erklang in diesem Jahr der Kreuzweg („Via crucis“) in der Vertonung von Franz Liszt (1811–1886). Das medi­ta­tiv-expressive Stück – eine musikalische Kreuz­weg­an­dacht – ist für Chor, Bariton und Orgel ge­schrie­ben worden. Es ist ein Alterswerk des spät­romantischen Komponisten, der sich im Alter ver­mehrt den geistlichen Themen zuwandte und sich sogar die sogenannten „niederen Weihen“ (eine Vorstufe zum Priestertum) geben ließ. Das Werk vereinigt Gregorianik, prostestantisches Kirchenlied, Choralsatz à la Bach, expressive Har­mo­nik, unbegleitetes Solorezitativ, dramatisches Chor-Unisono und terzenselige Frauenchor-Passagen. Diese vielfältigen vokalen Elemente sind eingebettet in einen gleichzeitig einfachen und raffinierten Orgel­satz. Technische Einfachheit und musikalische Vielfalt prägen das Werk, das in unserer Aufführung von Bildern zu den Kreuzwegstationen begleitet wird.

Die Kantorei der Paul-Gerhardt-Kirche wurde von Daniel Beilschmidt an der Orgel begleitet. Die Leitung hatte Kantorin Elisabeth Kindel.

Einige Ausschnitte sind hier in einem Video zusammengestellt: