Rückblick

Aufführungen vergan­gener Jahre zur Christvesper am Heiligen Abend und zur „Langen Nacht der Krippenspiele“ Anfang Januar können Sie sich hier noch einmal im Rückblick anschauen.

  „Herodes erschrak und mit ihm ganz Jerusa­lem.“ (24.12.2018)  ▾

 
 

„Herodes erschrak und mit ihm ganz Jerusa­lem.“ Aus diesem Satz des Matthäus-Evange­liums entstand 2017 ein Krippen­spiel, das 2018 in der Paul-Gerhardt-Kirche seine Fort­setzung fand. Damit gingen die Macht­spiele im Palast des Königs weiter, aus ver­meint­lichen Ge­rüchten wurde bitterer Ernst für Herodes, denn der neue König soll(te) wohl tat­sächlich zur Welt gekom­men sein. Letzt­endlich führte uns die Ge­schichte gen Beth­lehem, und nach vier Jahren waren auch wieder Joseph und Maria in Conne­witz an der Krippe zu sehen.

Ein neues Stück von Thomas Noack, dessen Auf­füh­rung Zeit und alle Mühen in jedem Fall wert waren, sei es bei den Proben oder dem In-Szene-Setzen von teils sehr aus­gefalle­nen Bühnen­bildern. Ein Stück, bei dem wir 23 mit­wirken­den Jugend­lichen mit Freude und viel Engage­ment dabei sein konnten, ein Stück, das aus der Rolle fällt und anzu­ecken weiß. So wurde deut­lich, dass die Geburt Jesu zwar unter einem hellen, aber keinem guten Stern geschah. Viel Zeit zur Erho­lung blieb Josef und Maria nämlich nicht ...

Uns übrigens auch nur wenig, denn am 5. Januar führten wir das Stück in Chem­nitz nochmals auf, zur 12. Lan­gen Nacht der Krippen­spiele. Mit Freude nahmen wir den Applaus der Besucher, erleich­tert die gute Kritik der Jury und glück­strahlend den Publikums­preis entgegen.

Simon Garand

Uraufführung: 24.12.2018, Christvesper um 16.00 Uhr, Paul-Gerhardt-Kirche
Text und Regie: Thomas Noack

 

  „Aufruhr in Jerusalem“ (24.12.2017)  ▾

 
 

Rückblick 3 von Ruth Alber, Pfarrerin in Connewitz-Lößnig:

„Der vierte König“ – Krippenspiel mal ganz anders

Als Thomas Noack auf mich zukam mit seiner Idee, Edzard Schapers Legende vom vierten König als Krippenspiel zu inszenieren, war mein Interesse schnell geweckt. Ich kannte die Legende nur vom Hörensagen, besorgte mir rasch den Text und las ziemlich atemlos die Geschichte in einem Zug. „Eigentlich ist das doch eine Passions­geschichte!“ – das war mein erster Gedanke.

Der vierte König erleidet im Grunde das Schicksal Jesu. Am Leben des vierten Königs zeichnet sich der Weg Jesu ab! Sein Leben ist Hingabe. Auf seinem Weg immer dem Stern hinterher trifft der vierte König auf Menschen, deren Not so groß ist, dass er diesen elenden Gestalten Stück für Stück all die Geschenke gibt, die er doch dem neugeborenen König hatte mitbringen wollen: Geld, das edle Linnen … Am Ende hat er nichts mehr – auch seine Lebenszeit, seine Gesundheit, seine Kraft hat er für andere verbraucht. 30 Jahre lang rackert er sich ab auf einer Galeere, für einen Jungen, der diese Strafe gewiss nicht überlebt hätte. Dem König, den er so viele Jahre lang gesucht hatte, begegnet er – selbst sterbend – auf dessen letztem Weg, am Karfreitag.

Die Jugendlichen haben uns unter der Regie von Thomas Noack diese Geschichte sehr nahe gebracht. Den aller­letzten Ernst, die Begegnung des vierten Königs mit Jesus am Karfreitag, haben sie uns dann aber doch erspart. Im Vollzug haben wir ein fulminantes Bühnenstück mit wunderbaren Bildern gesehen (Dank auch an die Licht­techniker!) Die Bläser haben mit ihrer Musik die dramatische Wirkung noch unterstützt. Die Begeisterung der jungen Schauspieler war mit Händen zu greifen. Sie gab der Aufführung auch eine Leichtigkeit, die uns an diesem Heiligabend gewiss gutgetan hat. War dieses Weihnachten ja ohnehin überschattet von dem schreck­lichen Anschlag in Berlin am 19. Dezember!

Die Geschichte selbst lässt mich nicht los. Ist das Leben des vierten Königs eine Art „Modell“ für ein Christen­leben? Aber wären wir damit nicht heillos überfordert: Wer könnte schon so leben wie er? Wer wäre schon in der Lage, so wie er alles hinzugeben? Das ist vielleicht die Gefahr der Legende vom vierten König, dass sie uns mit dem Gefühl der Überforderung zurücklassen kann – weil das Vorbild des vierten Königs einen so hohen Anspruch enthält.

Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Ich hoffe zu Gott, dass er keinem zu viel auflegt, dass jeder Rücken dann auch stark genug ist für das je eigene Kreuz. Bevor Jesus fordert, schenkt er. Davon bin ich überzeugt. Vergessen wir nicht, wie er seinen Jüngern zu­ruft: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“

Die Geschichte vom vierten König hat mich angeregt, mich mit Edzard Schaper, mit seiner Geschichte und mit seinem Leben, näher zu befassen. Soviel weiß ich bereits: Schaper geriet in der Zeit des 2. Weltkriegs zwischen die Fronten, er wurde sowohl von den Nationalsozialisten als auch von dem stalinistischen Regime mit dem Tod bedroht. Dem „Stern“ Jesus Christus nachfolgen hatte für ihn – in seiner Zeit – möglicherweise von daher einen ernsteren, schwereren Klang als für uns in unseren Tagen. Dietrich Bonhoeffers Werk „Nachfolge“ atmet diesen Ernst übrigens auch.

Was bleibt für uns? Das Erlebnis eines unvergesslichen Krippenspiels – der Anstoß, im Hingeben das Leben zu finden, das wahre Leben.

Uraufführung: 24.12.2016, Christvesper um 16.00 Uhr, Paul-Gerhardt-Kirche
Text und Regie: Thomas Noack, nach der gleichnamigen Erzählung von Edzard Schaper

Pfarrer Reichl weiß um den Stress, den Heiligabend und Weihnachten mit sich bringen: Geschenke besorgen, die hoffentlich gut ankommen, Essen kochen, das hoffentlich lecker schmeckt, einen Platz in der vollen Kirche ergattern, obwohl jedes Jahr gefühlt mehr Mäntel auf den Plätzen liegen, die mit einem eifrigen „Schon besetzt!“ verteidigt werden. Da tut es gut, dass er alle auffordert zusammenzurücken, sich in den nächsten knapp 90 Minuten keine Sorgen zu machen, sondern sich auf die Weihnachtsgeschichte einzulassen und zu staunen.

Wer jetzt erwartet, dass Joseph und Maria mit einem Kissen unter dem Kostüm nach einer Herberge suchen, dem macht Thomas Noack mit seinem Stück einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen richtet er den Blick auf das politische und gesellschaftliche Umfeld, in dem die Geburt Jesu stattfindet: Die Hohepriester diskutieren mit den Schriftgelehrten über den hellen Stern, der die Geburt des Messias anzeigen soll, was einige als gefährliches Gerücht, andere als naturwissenschaftliches Phänomen oder als düstere Gedanken des unzufriedenen Volkes erklären.

Im prachtvoll gestalteten Garten von Herodes Palast mit echtem Springbrunnen (!) geben sich die mondän gekleideten Gattinnen der Herrschenden und Reichen überschwänglich Küsschen, tauschen die modernsten Düfte, den neuesten Klatsch und Tratsch aus und erklären, wie man das Volk bei Laune hält.

Herodes schließlich ringt mit Gott, fühlt sich von ihm im Stich gelassen, obwohl er doch aus seiner Sicht alles getan hat, um ihn mit großen Infrastrukturprojekten und autoritärer Führung des Volkes gnädig zu stimmen.

Ergreifend ist die Schlussszene, in der sich alle Darsteller nacheinander umdrehen und Anregung geben, was Weihnachten bedeuten kann: Bedürftigen ein Freund sein. Dem Leben ein Ziel geben. Aus tiefstem Herzen dankbar sein für das Kind in der Krippe.

Ja, das Krippenspiel lässt uns den Weihnachtsstress vergessen und staunen – über die ganz ungewöhnlichen Perspektiven auf die Geburt Jesu, über das effektvolle Bühnenbild mit glänzenden Stadtansichten, grünen Gärten und Springbrunnen sowie die wunderschönen Kostüme, die Thomas Noack aus aller Welt nach Connewitz gebracht hat.

Alice Schröder

Uraufführung: 24.12.2017, Christvesper um 16.00 Uhr, Paul-Gerhardt-Kirche
Text und Regie: Thomas Noack

 

  „Der vierte König“ (24.12.2016)  ▾

 
 

Rückblick 1 von Simon Garand, einem der Mitspieler:

In dem Moment, als ich endlich die fertige Textfassung des Krippenspiels für Weihnachten 2016 in meinen Hän­den hielt, konnte man meinem Gesichtsausdruck leicht entnehmen, dass mich die Legende vom vierten König als Motiv für ein Krippenspiel ziemlich stark reizte, dennoch aber auch beschäftigte und in mir einige Fragen offen ließ.

Eine Geschichte, in der weder Josef und Maria auf der Suche nach einer Unterkunft in Bethlehem noch die Geburt Jesu im Stall oder die Ankunft der Hirten und der heiligen drei Könige dargestellt werden? Kann das wirklich gut gehen? Anfangs war ich aus diesem Grund ein wenig verunsichert.

Doch dann las ich den Text, einmal, zweimal, und so langsam machte sich ein Lächeln auf meinem Gesicht breit. Die Vorstellung, die Legende vom vierten König als Vorlage für ein Krippenspiel zu verwenden, wirkte bald schlicht­weg genial und keinesfalls in irgendeiner Weise fragwürdig.

Denn klar war, hier würde man zwar keine klassische Weihnachtsgeschichte erleben, wohl aber eine Geschichte von einem König aus einem fernen Land, der Weihnachten erleben möchte, von einem König, der ebenso an­getan ist von der Nachricht über die Geburt des Heilands, wie die bereits bekannten drei heiligen Könige, und der sein gesamtes bisheriges Leben hinter sich lässt, um diesen Heiland zu finden. Dabei passt diese Geschichte wunderbar in die Geschehnisse der Weihnachtsgeschichte und schafft es gleichzeitig, mit viel Herz auch noch heute aktuelle Probleme im Leben der Menschen anzusprechen.

Sichtlich begeistert von der Vorstellung, bei dieser Geschichte mitspielen zu dürfen, ging es dann zu den Proben im Pfarrhaus und in der Paul-Gerhardt-Kirche, zusammen mit Thomas Noack und den Mitgliedern der Jungen Gemeinde. Dass ich selbst nicht aus Leipzig bin, störte hier keinen. Ich hatte schließlich das vorherige Jahr schon einmal mitgespielt, und wir verstanden uns alle prächtig.

Nun, dieses Stück war ein eher ernstes, es hatte schließlich einen tiefen Hintergrund. Deshalb war es wichtig, wenn auch manchmal nicht leicht, immer auf das Wesentliche fokussiert zu bleiben, im Einzelnen, aber auch in der gesamten Gruppe. Zum Glück waren wir an den Probetagen stets ausreichend versorgt, und der eine oder andere Scherz half auch ein wenig, die Stimmung zu lockern und wieder neue Kraft zu schöpfen. Ganz beson­ders gefallen hat mir der durchdachte Einsatz von Kostümen, Requisiten und anderen Materialien, die es möglich machten, gemeinsam teils atemberaubende Bühnenbilder zu planen und diese auch erfolgreich umzu­setzen. Letztlich war dies alles und das daraus resultierende Krippenspiel ein voller Erfolg und hat unglaub­lich viel Spaß gemacht. Ich bedanke mich recht herzlich bei Thomas Noack und bei allen anderen, die bei diesem Stück mit­gewirkt haben. Es war eine tolle Zeit.

Rückblick 2 von Maria Schneider, früher Katechetin in Connewitz-Lößnig:

„Es wird ausgehen wie immer“ – so dachten ich und sicher viele Besucher, als wir am 24.12. vor dem Haupt­eingang der Paul-Gerhardt-Kirche standen und auf Einlass warteten. Wie immer war die Kirche nach meinem Eindruck bis auf den letzten Platz gefüllt, und wir sahen gespannt dem Beginn der Christvesper 16.00 Uhr ent­gegen. Dieses Jahr war es anders: Maria und Josef, die Hirten und die Engel traten nicht in gewohnter Weise auf. Die Krippe sah man erst am Ende vor dem Weihnachtsbaum stehen. Und doch war Jesus, dessen Geburt wir feierten, von Anfang bis Ende Mittelpunkt des Krippenspiels.

„Der vierte König“, das Krippenspiel von Thomas Noack, nach der Legende von Edzard Schaper, ist ein Stück über die Art und Weise Jesu, so wie ihn die Evangelien beschreiben, und ein Stück über Nachfolge: Es ging um Ge­rech­tig­keit, um das Wahr­nehmen der Ärmsten, um Möglichkeiten zu teilen und zu helfen bis hin zum sich selbst opfern, um anderen Menschen Leben zu ermöglichen. Der König, der den Messias sucht und ihm huldigen will, trifft ihn zwar erst beim Einzug in Jerusalem, wo das harte, gewaltsame Ende sich schon ankündigt. Viele Jahre seines Lebens aber ehrt und beschenkt er seinen Herrn, indem er in dessen Namen lebt. Wer fragt, wie man dem Geburtstagskind Jesus etwas schenken könnte, bekam mit diesem Krippenspiel eine Antwort.

Mit großem Engagement hat Thomas Noack nicht nur die Legende in ein Krippenspiel umgeschrieben, sondern auch alle Proben mit den Jugendlichen und die Aufführung geleitet. Ich stelle mir vor, wie allein das Beschaffen der Kostüme und Requisiten Zeit, Ausdauer und Nerven gekostet haben mag! Beeindruckend hatten sich die Spieler (eine ganze Reihe meiner sehr netten Christenlehrekinder von einst!) in ihre Rollen eingefühlt und dann überzeugend und gut verständlich gespielt! Musik, „Bühnen“bilder, Beleuchtung und Requisiten passten perfekt und unterstrichen die inhaltlichen Aussagen!

Ich freue mich, am Gründonnerstag dieses Spiel, das ja mehr ist als ein Krippenspiel, noch einmal sehen zu dürfen!

Allen Mitwirkenden meinen herzlichen Dank!

 

  „Unruhe im Zirkus“ (24.12.2015)  ▾

 
 

Unruhe im Zirkus – und unter der Kanzel … Es waren 19 außer­ordentlich spiel­freudige Dar­steller, einige davon Neu­linge (was man gar nicht gemerkt hat!) auf der Altar-Bühne, die geturnt, jong­liert, gesungen, Ketten ge­sprengt und Peit­schen ge­knallt haben; herrlich kostü­miert und vor auf­wändi­ger Ku­lisse. Das war opu­lent für ein Fest, dessen Ur­sprünge in einer stillen Krippe liegen. Die Weih­nachts­geschichte denkt man sich eher selten im Zirkus­milieu, aber sie kann alle er­reichen und Thomas Noack ver­steht, jedes Jahr neu davon zu erzählen, wie das geht.

Einsam­keit, Heimat­losigkeit, Berührungs­angst, Zukunfts­angst, all das gibt es auch in der glitzern­den Zirkus­welt – und ebenso braucht es guten Glauben und frohe Hoffnung, gibt es kleine Wunder und große Freude.

Oft sind es ja die Um­wege, auf denen uns die stille Bot­schaft er­reicht. Und so ging es viel­leicht vielen der Krippen­spiel-Besu­cher ähn­lich wie dem namen­losen Zirkus­gast, als er sagte: „Aber was ist heute schon einfach. Was erzähle ich Ihnen. Danke, dass Sie alle für mich da waren. Sie wissen nicht, was mir diese Vor­stellung heute bedeutet hat.“

Liebe Spielgemeinde: vielen Dank!

Tina Simon

Uraufführung: 24.12.2015, Christvesper um 16.00 Uhr, Paul-Gerhardt-Kirche
Text und Regie: Thomas Noack