Die Paul-Gerhardt-Kirche zu Leipzig-Connewitz

Paul-Gerhardt-Kirche nach der Turmsanierung 2014/15

Die Paul-Gerhardt-Kirche befindet sich im Leipziger Stadtteil Conn­ewitz in der Sel­necker­straße, nahe des Conne­witzer Kreuzes. Ihre Architek­tur orientiert sich – nach dem Ent­wurf des Archi­tekten Julius Zeißig – an den Formen der deutschen Renais­sance. Der erste Spaten­stich erfolgte am 4. April 1898, zwei Jahre später, am 1. April 1900, wurde sie geweiht und ihrer Nutzung übergeben.
Sie blieb zunächst als „Neue Kirche Conne­witz“ ohne beson­deren Namen; erst 1934 gab der Kirchen­vorstand ihr auf landes­kirch­liche Anordnung hin einen Namen, und zwar: „Paul-Gerhardt-Kirche“.

Die Kirche erstreckt sich auf einem künstlich er­höhten Gelände in Ost-West-Richtung. Das Äußere der Saal­kirche wird von dem reiz­vollen Kontrast bestimmt, den die in röt­lichem Roch­litzer Porphyr aus­geführ­ten architek­toni­schen Glieder zu den ver­putz­ten und hell ge­striche­nen Wand­flächen bilden. An der östliche Schmal­seite steht der 60 Meter hohe Turm mit dem in einem schmalen Vorbau befind­lichen Haupt­portal.

Die Glocken

Große Glocke im 2015 erneuerten Glockenstuhl

Nach kriegsbedingter Glocken­abnahme im Dezem­ber 1941 erhielt die Kirche das jetzige Bronze­geläut im Juli 1956. Die Glocken wurden in der Glocken­gießerei Schilling, Apolda, ge­fertigt; sie klingen in der Tonlage f’ – as’ – b – ’des’’.

Die Glocken wiegen 960 kg, 533 kg, 362 kg sowie 179 kg, und die Durch­messer betragen 117 cm, 96 cm, 86 cm sowie 70 cm. 

Die Inschriften lauten:
Große Glocke: „LASSET EUCH VERSOEHNEN MIT GOTT [Kreuz mit Welt­kugel] A D 1956 GEGOS­SEN FÜR DIE IM KRIEGE 1939–1945 GENOM­MENEN GLOCKEN“
Glocke 2: „SUCHET WAS DROBEN IST, DA CHRISTUS IST“ [Chi Rho – Christus­monogramm]
Glocke 3: „FREUET EUCH, DASS EURE NAMEN IM HIMMEL GES­CHRIEBEN SIND“ [Anker­kreuz]
Kleine Glocke: „HALTET AN AM GEBET“ [Opfer­schale mit Kreuz]


Glockenläuten zum Gottesdienst am Sonntagmorgen. 
Filmaufnahmen der einzelnen Glocken und des Gesamtgeläuts können Sie sich >hier ansehen.

Zwei Mosaiken der Berliner Firma Puhl & Wagner bilden den künstle­rischen Schmuck des Eingangs­bereichs. Im Portalt­ympanon ist der ein­ladende Christus zu sehen, im Giebel­feld der Ecce homo („Seht, was für ein Mensch!“), nach einem im 19. Jahr­hundert sehr belieb­ten Gemälde des Italie­ners Guido Reni aus der Dres­dener Galerie.

Ursprünglich befanden sich über den Ein­gängen der den Turm flankie­renden Treppen­häuser vier weitere Mo­saiken mit den Darstel­lungen der Evange­listen. Sie blieben jedoch leider nicht erhalten.

Schuke-Orgel

Die Orgel

Seit 1974 hat die Kirche eine Schuke-Orgel mit zwei Manualen, einem Pedal, 28 Registern und 2079 Pfeifen.


In dieser Aufnahme hören Sie Kantorin Elisabeth Kindel mit einem Concerto in D (Anonymus).
Weitere Klangbeispiele finden Sie >hier.

Die Kirche verfügt im Schiff über 500 und auf den Emporen über 150 Plätze. Das Kirchen­schiff ist 25 Meter lang und 17 Meter breit. Den Raum über­spannt eine hölzerne, von Schmuck­leisten geglie­derte Tonnen­decke, deren ornamen­tale Bema­lung, aus­geführt vom Leipziger Kunst­maler Paul Edlich, er­halten ist.
 

Rundbogenfenster an den Längsseiten

Das Schiff wird von jeweils vier großen Rundbogen­fenstern an den beiden Längs­seiten erhellt, deren Maßwerk bei allen Fenstern ver­schieden ist. Nachdem die ursprüng­lichen Fenster beim Bomben­angriff am 4. De­zember 1943 zer­stört worden sind, wurden 1954 die jetzigen Buntglas­fenster ein­gesetzt. Die Entwürfe für die Fenster stammen von Alfred Brumme, die Darstel­lungen dienen der Verkün­digung durch Symbole, verbun­den mit je einem Lied­vers von Paul Gerhardt. Es gibt je ein Paar Weihnachts-, Kar­freitags-, Oster- und Pfingst­fenster.

 

Fenster im Altarraum und in der Vorhalle

Die Fenster im Altarraum tragen die Symbole für die Taufe und das Heilige Abendmahl.

Die Fenster in der Vorhalle entstanden 1959 ebenfalls nach Entwürfen von Alfred Brumme. Sie sind dem Gedenken an die Opfer des 2. Weltkrieges gewidmet.

 

Fenster in der Kapelle

Die Fenster in der Kapelle tragen die Symbole für die vier Evangelisten. Zur Symbolik auf diesen Fenstern können Sie >hier weiterführende Erläuterungen finden.

 

Altartisch und das Schnitzwerk „Heiliges Abendmahl“ von Heinrich Behr

Altartisch und Abendmahlsbild

Das wertvollste Kunstwerk der Kirche ist das Schnitz­bild „Heiliges Abend­mahl“, nach Joh. 13,34 ge­schaffen von dem Leipziger Holz­bildhauer Heinrich Behr, der auch den Altar und die Kanzel schuf, in Ergän­zung des Altar­bilds hin zu einem Gesamt­kunst­werk für die neue Conne­witzer Kirche. Er orien­tierte sich an byzan­tinischen Vor­bildern und an einem gemäßig­ten Jugend­stil.

Das Abendmahls­bild entstand allerdings bereits 1893; es wurde auf der im gleichen Jahr stattf­indenden Welt­ausstel­lung in Chicago aus­gestellt und dort mit einem Preis für zeit­gemäße Kunst ausge­zeichnet. Über das Schnitz­werk schrieb er: „Dasselbe zeichnet sich zunächst dadurch aus, indem es aus einer außer­gewöhnlich starken, deutschen Riesen­linde bzw. deren Pfosten her­gestellt ist, und die Be­arbeitung daher eine beson­ders schwierige war.“

Heinrich Behr hat die Jünger Jesu seines Abendmahls­bildes selbst charak­terisiert. Das Faltblatt mit seinen Erklä­rungen ist im Kirchen­archiv erhalten; eine Kopie davon können Sie hier als >pdf-Datei herunter­laden.

Kruzifix über dem Abendmahlsbild

Blick zum Altar

 

Das Kruzifix über dem Abendmahls­relief – zwar ebenfalls von Heinrich Behr aus Linden­holz, aber nicht in Zusammen­hang mit den übrigen Aus­stattungs­stücken geschnitzt – weist die Beson­derheit auf, dass in der Schatten­bildung die beiden Schächer zur Rechten und Linken gesehen werden können.