Krippenspiel 2017: „Aufruhr in Jerusalem“

Text und Regie: Thomas Noack

Uraufführung am 24.12.2017 in der Paul-Gerhardt-Kirche Leipzig, Christvesper um 16 Uhr

Pfarrer Reichl weiß um den Stress, den Heiligabend und Weihnachten mit sich bringen: Geschenke besorgen, die hoffentlich gut ankommen, Essen kochen, das hoffentlich lecker schmeckt, einen Platz in der vollen Kirche ergattern, obwohl jedes Jahr gefühlt mehr Mäntel auf den Plätzen liegen, die mit einem eifrigen „Schon besetzt!“ verteidigt werden. Da tut es gut, dass er alle auffordert zusammenzurücken, sich in den nächsten knapp 90 Minuten keine Sorgen zu machen, sondern sich auf die Weihnachtsgeschichte einzulassen und zu staunen.

Wer jetzt erwartet, dass Joseph und Maria mit einem Kissen unter dem Kostüm nach einer Herberge suchen, dem macht Thomas Noack mit seinem Stück einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen richtet er den Blick auf das politische und gesellschaftliche Umfeld, in dem die Geburt Jesu stattfindet: Die Hohepriester diskutieren mit den Schriftgelehrten über den hellen Stern, der die Geburt des Messias anzeigen soll, was einige als gefährliches Gerücht, andere als naturwissenschaftliches Phänomen oder als düstere Gedanken des unzufriedenen Volkes erklären.

Im prachtvoll gestalteten Garten von Herodes Palast mit echtem Springbrunnen (!) geben sich die mondän gekleideten Gattinnen der Herrschenden und Reichen überschwänglich Küsschen, tauschen die modernsten Düfte, den neuesten Klatsch und Tratsch aus und erklären, wie man das Volk bei Laune hält.

Herodes schließlich ringt mit Gott, fühlt sich von ihm im Stich gelassen, obwohl er doch aus seiner Sicht alles getan hat, um ihn mit großen Infrastrukturprojekten und autoritärer Führung des Volkes gnädig zu stimmen.

Ergreifend ist die Schlussszene, in der sich alle Darsteller nacheinander umdrehen und Anregung geben, was Weihnachten bedeuten kann: Bedürftigen ein Freund sein. Dem Leben ein Ziel geben. Aus tiefstem Herzen dankbar sein für das Kind in der Krippe.

Ja, das Krippenspiel lässt uns den Weihnachtsstress vergessen und staunen – über die ganz ungewöhnlichen Perspektiven auf die Geburt Jesu, über das effektvolle Bühnenbild mit glänzenden Stadtansichten, grünen Gärten und Springbrunnen sowie die wunderschönen Kostüme, die Thomas Noack aus aller Welt nach Connewitz gebracht hat.

Alice Schröder