Geschichte des Connewitzer Gemeindehauses

Connewitzer Gemeindehaus 1928

Das Gemeindehaus der vormaligen Paul-Gerhardt-Gemeinde (im Jahre 2000 in „Paul-Gerhardt-Haus“ benannt) wurde in den Jahren 1926 und 1927 nach Plänen des Architekten Richard Wagner erbaut.

Während zunächst, d. h. in den Jahren des Kirchbaus 1898–1900, davon ausgegangen wurde, dass ein zukünftig einmal zu bauendes Gemeindehaus auf den noch heute freien Platz Ecke Selnecker-/Simildenstraße, gegenüber dem Kircheneingang gebaut werden soll (unser Kirchgarten ist Teil dieser Fläche), wurde dann doch die Ecke Selnecker-/Brandstraße hinter und unterhalb der Kirche zum Bauplatz erwählt.

Ehemalige Sandgrube und alter Friedhof, um 1850

Dieser tiefergelegene Platz ist ursprünglich einmal eine Sandgrube gewesen, die nicht mehr als solche genutzt wurde, als man sich bis an den östlich/oberhalb davon gelegenen alten Friedhof – auf dem später die neue Kirche gebaut wurde – heran­gearbeitet hatte.

Turnplatz vor der Sandgrube, um 1900

Danach wurde dieser Platz zu einem Sportplatz umgestaltet, der aber, vermutlich im Zusammenhang mit dem Bau der Sportanlage Teichstraße, Anfang des 20. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Zwischen der Gemeinde und dem Sportverein hat es enge Beziehungen gegeben, wurde doch der untere Saal für eine Mitnutzung als Turnhalle konzipiert und auch als solche eingerichtet.

Kirche und Gemeindehaus, kurz nach dessen Fertigstellung

Es handelt sich beim Connewitzer Gemeindehaus um einen Saalbau mit hohem Stufengiebel zur Brandstraße, die Längsseite liegt zurückgesetzt hinter einer Grün­anlage zur Selneckerstraße. Der Saalbau ist mit schmalen hohen Fenstern im Ober- und mit Parabel­bogenfenstern im Erdgeschoss versehen. Auch der Eingang (mit St.-Georg-Relief im Schlussstein) und die Fenster im Klinkersockel besitzen diese Para­bel­bogenform, eine zeittypische Verwandlung des gotischen Spitzbogens, der die sakrale Bestimmung des Bauwerks andeutet. Das langgestreckte Saalgebäude wird durch ein Querhaus, ebenfalls mit Stufengiebel, unterbrochen und mit einem nied­ri­geren Bühnen­anbau abgeschlossen.

Großer Saal, Blick zur Bühne

Im Inneren finden wir Artdéco-Schmuck an den Pfeilern der Halle und den Pilastern zwischen den hohen Fenstern. Insgesamt ist der Bau charakteristisch für eine Tendenz in der Leipziger Baukunst dieser Zeit, die latent an den „gotischen“ Ziegelexpressionismus anknüpfte.

(Quelle: Denkmale in Sachsen/Stadt Leipzig/Band 1: Südliche Stadterweiterung)

Programm zur Einweihung des Gemeindehauses am 6. November 1927

 
Die Einweihung des neuen Gemeindehauses fand am 6. November 1927 statt.
Hiervon ist im Kirchenarchiv der Programmzettel erhalten.

Leipziger Abendpost vom 7. November 1927

 
Und schließlich ist auch dieser Artikel der Leipziger Abendpost vom 7. November 1927 informativ und lesenswert!