Ein kirchgeschichtlicher Friedhofsrundgang

In Vorberei­tung des 100. Kirchweih­jubiläums der Paul-Gerhardt-Kirche Conne­witz am 1. April 2000 ist von Petra Renger und Wolfram Herwig ein „Kirch­geschicht­licher Friedhofs­rundgang“ zusammen­gestellt und während der Fest­woche auch unter großem Publikums­zuspruch ver­wirk­licht worden. Der Rundgang führte zu Grab­stätten bekann­ter Leipziger und Conne­witzer Persön­lich­keiten, unter ihnen Pfarrer und in der Kirch­gemeinde beson­ders enga­gierte Bürger und stellte diese kurz vor. Es ent­stand ein Falt­blatt, das in der Friedhofs­verwaltung erhält­lich ist. Es steht auch >hier als PDF-Datei zur Ver­fügung.

Dieser Rundgang ist nun an dieser Stelle virtuell wieder erstanden. Es besteht die Absicht, ihn nach und nach zu ergänzen. Vorschläge und Hinweise nehmen die Webmaster gern entgegen.
Zur Orientierung dient der neben­stehende Plan, in den die Standorte ein­getragen sind. Diesen können Sie sich auch >hier als PDF-Blatt herun­ter­laden und ausdrucken.

Grab Bauer / Jacob / Steyer

1a: Pauline Bauer geb. Hucho, 1821–1902, Richard Jacob, 1852–1928, mit Ehefrau Agnes und Mathilde Steyer, geb. Bauer, 1857–1944, das waren die Besitzer des Connewitzer Mühlenguts (Koburger Brücke/Mühlholzgasse), stifteten 1899 die Glocken für die im Bau befindliche neue Connewitzer Kirche. Sie wandten sich Ende 1898 an den Kirchenvorstand mit der Bitte, die Glocken stiften zu dürfen. Natürlich wurde das in großer Dankbarkeit angenommen, und die Familien durften dafür auch die Ausschmückung der Glocken mit Bibelsprüchen und Monogramm bestimmen. Das deutlich tiefere (als heute) erste Geläut konnte im 1. Weltkrieg dank eines Gefälligkeitsgutachtens von Prof. Graul, Leiter des Kunstgewerbemuseums, vor dem Einschmelzen bewahrt werden. Im 2. Weltkrieg dann gab es keine Ausnahme, die beiden tiefen Glocken wurden 1943 in die Rüstungsindustrie geschickt. Stifterin Mathilde Steyer musste dies leider noch miterleben.

Grab Schuster vormals Hasse

1b: Karl Martin Hasse, 03.06.1852–22.12.1915, von 1887–1914 Pfarrer der erst zwölf Jahre vorher selbständig gewordenen Kirchgemeinde Connewitz, der zweite nach Rudolf Müller. Als sich die alte Connewitzer Kirche (Prinz-Eugen-Straße) als zu klein erwies, eine Er­weiterung am Ort mangels Entgegenkommens der Nachbarn unmöglich erschien und noch dazu Baurat Licht eine erfolgreiche Instandsetzung der alten Kirche ausschloss, betrieb er engagiert den Kirchenneubau, gründete den Connewitzer Kirchenbauverein, warb Spen­den ein und leistete während der Bauphase zwei Jahre lang ein beachtliches Ar­beitspensum. Am 1. April 1900 wurde sein vieljähriges Bemühen mit dem Tag der Weihe „seiner“ neuen Connewitzer Kirche, der heuti­gen Paul-Gerhardt-Kirche, gekrönt.
Sein Grab ist nicht mehr erhalten, es befand sich am Platz der heutigen Grabstelle Schuster.

1c: Rosalie Rose, † 18.04.1904, Witwe des Haus­besitzers Hermann Rose. Sie war Stifterin der größten Einzelspende für den Bau der neuen Connewitzer Kirche: Sie spendete 15 000 Mark, was nach heutigem Geld wohl um die 300 000 Euro wären.
Ihr Grab wurde leider im Krieg zerstört, lange Zeit war an der Stelle ein großer Bombentrichter.

Grabstein Rudolf Müller

2a: Rudolf Müller, 25.12.1830–13.04.1887, war der erste Pfarrer der 1875 selbst­ständig gewordenen Connewitzer ev.-luth. Kirchgemeinde, die bis dahin (seit der Reformation) zu Probstheida gehörte. Sicher war er schon länger für die Connewitzer Belange zuständig gewesen, wie die auf der Titelseite dem ausgewaschenen Original nachempfundene Zeich­nung der Grabsteininschrift zeigt. „Unsere Gemeindeglieder“ haben ihrem Pfarrer einen Text aus der Offenbarung auf den Stein geschrieben; Kapitel 14, Vers 13 lautet: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach.“
Der zerbrochene und ausgewaschene Grabstein fristete bis 2016 sein Dasein versteckt unter einem Baum. Im Jahr 2000 wurde mühsam nachgezeichnet, was an Gravuren auf dem Stein noch erkennbar war, und diese Zeichnung bildet die Titelseite des oben angeführten Faltblatts. Ob unsere Kirchgemeinde einmal zu einer würdigeren Aufstellung dieses historischen Steins finden wird? Dass er jetzt nicht mehr dort, Wind und Wetter ausgesetzt, herumliegt, lässt hoffen ...

2b: Guido George Fischer, † 25.09.1913, Kaufmann, Besitzer des von Richard Hahn und Julius Zeißig, den Architek­ten der Paul-Gerhardt-Kirche, zeitgleich mit dieser errichteten repräsentativen Hauses am Kreuz, Kochstr. 134/136 (Hahn im Wappenfeld neben der Durchfahrt!), sowie einer Papier­stuckfabrik in dessen Hofgelände. Er war als Kirch­vorsteher der emsige Vorsitzende der „Kirchenbau­deputation“ in den Jahren des Kirchenbaus 1898–1900. In dieser Funktion war er Anlaufpunkt und Partner für den Architekten Julius Zeißig, den Bauleiter Richard Hahn, die Meister und Poliere aller am Bau arbeitenden Gewerke. Ein wenig eifersüchtig auf seinen Kompetenzbereich achtend, war er ein ausgezeichneter Organisator und auch anerkannter Schlichter in allen auftretenden Streitfällen.
Sein Grab ist nicht mehr erhalten, es befand sich an der heutigen Stelle … (Beschreibung und Foto folgen)

5a: Gustav Adolf Hermann Heinrici, † 10.12.1916, Privatmann, Kirchvorsteher und engagiertes Mitglied der „Kirchenbau­deputation“ des Kirchenvorstands.
Seine Grabstelle ist nicht mehr erhalten.

8a: Berthold Haferland, 08.03.1843–08.11.1920, Lehrer und Kantor, von 1876–1909 Kantor an der Connewitzer Kirche, Kirchvorsteher. Berthold Haferland war ein Kantor und Schullehrer alten Stils, der von seiner Autorität über derzeitige und gewesene Schüler nicht das geringste aufzugeben bereit war und der Ohrfeigen oder Stockschläge als voll gültige Mittel zur Erziehung betrachtete. Sein Ansehen war trotzdem groß. Die Klavierstunden fanden in des Kantors Wohnung im ehemaligen Schulhaus (Prinz-Eugen-Straße) neben der alten Connewitzer Kirche statt. Er erteilte den Klavier­unterricht auf dem Sofa liegend oder Schulhefte korrigierend. Er aß gerne Pflaumenmus, zwischendurch fing er mit seinen dicken Händen mit Virtuosität Fliegen, ohne aus der Ruhe zu kommen.
Seine Grabstelle ist nicht mehr erhalten.

9a: Louis Rank, 24.06.1853–17.05.1917, Oberlehrer an der 14. Bürgerschule, Kirchvorsteher 1897–1917, stv. Vor­sitzender ab 1910.
Seine Grabstelle ist nicht mehr erhalten.

9b: Grabanlage der Diakonissen des evang.-method. Diakoniewerkes Bethanien.

10a: Johannes Kunad, 25.09.1862–11.07.1935, von 1889–1923 zunächst so­genannter Diakonus, später zweiter Pfarrer an der Paul-Gerhardt-Kirche. In der Kirchenbauzeit war er, zusammen mit Kantor Haferland, nicht selten der Widerpart zum etwas autoritär agierenden Pfarramtsleiter Hasse. Er war sehr interessiert an der Kirchen- und Regional­geschichte und grün­dete innerhalb der Connewitzer Kirchgemeinde ein „Ortsgeschicht­liches Museum“; diesem Nach­lass verdanken wir vieles in unserem Kirchenarchiv. Ihm zu Ehren richtete der Kirchenvorstand damals eine „Johannes-Kunad-Stiftung“ zur Förderung der regionalen Kirchengeschichte ein.

11a: Hugo Schönherr, 16.11.1833–07.06.1895, Ratsförster, später Ober­förster; Kirchvor­steher von 1886–1992 und noch einmal 1893–95. Er war – zusammen mit seiner Frau – ein engagierter Förderer der 1855 begründeten Connewit­zer „Kinder­bewahranstalt“, insbesondere während deren Neueinrichtung 1874 in der Biedermannstraße (damals für 70 Kinder).
Seine Grabstelle ist nicht mehr erhalten.

12a: Wilhelm Schirmer, 08.12.1845–21.07.1922, Kantorssohn, Kaufmann, Besitzer der Gasmesserfabrik Schirmer, Richter & Co. (Werk II), Kirchvorsteher 1896–1919. Wilhelm und Margarethe Schirmer stifteten den Altar für die neue Connewitzer Kirche.
Es ist auch auf einen seiner Söhne hinzuweisen, wiederum ein Wilhelm Schirmer, der in den Jahren vor und während des 2. Weltkriegs Mitglied des Kirchenvorstands war. Als alle anderen sich bereits mit dem Verlust der Glocken abzufinden bereit waren, hat er immerhin noch mehrere Versuche unternommen, bei höchsten Stellen für die Erhaltung der Glocken zu intervenieren, dabei sein Renomee als „Industrieller“ in die Waagschale werfend, aber eben auch riskierend. In den im Kirchenarchiv erhaltenen Antwortschreiben der „hohen Stellen“ wird er abgefertigt wie ein dummer Junge.

12b: Johannes Muntschick, 23.03.1921–12.11.2007, Kantor an der Paul-Gerhardt-Kirche von 1949–1986, Kirchen­musikdirektor ab 1960. Er sah sich in erster Linie als Gemeindekantor, der das Singen in der Gemeinde bewusst pflegte. Er verstand es, die Gemeinde zu begeistern und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Noch heute berichten Gemeindeglieder fasziniert von seiner Arbeit.
Eine große Herausforderung war der Orgelneubau in den Jahren 1972–1974, den er engagiert betrieb. Er gab drei Bände „Choralvorspiele und Orgelchoräle“ heraus; im „Connewitzer Liederheft“ veröffentlichte er eigene Komposi­tionen, die auch in andere Liederbücher Eingang fanden und auf mehreren CDs erschienen sind.

12c: Renate Katschinka, 1936–2007, Kantorin an der Gethsemane-Kirchgemeinde ab 1981, im Zuge der Gemeinde­vereinigung zur Kirchgemeinde Connewitz-Lößnig am 01.01.1999 zunächst mit reduziertem Arbeitsumfang bis 2006, danach bis zu ihrem Tod auf Honorarbasis als Organistin in Lößnig tätig.

Grabstein Kurt Zeuschner

17a: Kurt Zeuschner, 02.11.1879–01.03.1949, Pfarrer an der Paul-Gerhardt-Kirche von 1916–1949 (!). Er war der Organisator der Helferschaft und Begründer des „Gemeinde­boten“; er stellte den Gottesdienst in den Mittelpunkt des Gemeindelebens.
Machte seine ostpreußische Abstammung ihm in Connewitz schon das Leben nicht immer leicht, so schlug das während der Nazizeit in offene Feindschaft um. Er hielt sich in der NS-Zeit zu den bekennenden Christen und rettete so die Ehre der Paul-Gerhardt-Gemeinde (neben der Vikarin Hiltrud Henker), denn ansonsten war die Gemeindeleitung voll in der Hand der „Deutschen Christen“. Im Volksmund wurde die Gemeinde dafür als „PG-Gemeinde“ geschmäht (PG = NSDAP-„Parteigenosse“).
Sein Grabstein wurde 2009 auf Beschluss des Kirchenvorstands restauriert.

17b: Friedrich Kruspe, 12.03.1905–01.07.1980, von 1948–1958 Pfarramtsleiter an der Paul-Gerhardt-Kirche mit ausgeprägtem Amts­verständnis, als „engagierter, sehr belesener, ernster Mensch“ beschrieben. Er organi­sierte die Wieder­beschaffung der Kirchen­fenster (1953) und der Glocken (1956).
1958 wurde er zum Superintendenten in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) berufen.

Grabstein Pfr. Franke

19a: Joachim Franke, 10.05.1934–23.02.1975. Pfarrer Dr. Franke war von 1971–74 als Pfarramtsleiter in der Paul-Gerhardt-Kirche tätig. Er war in besonderer Weise eine prägende Persönlichkeit. In der leider nur kurzen Zeit setzte er Maßstäbe einer helfenden christlichen Verkündigung über Gemeindegrenzen hinaus. In einer Zeit, in der der Marxismus-Leninismus den Anspruch erhob, allein gültige Weltanschauung zu sein, setzte er sich philosophisch mit dem Atheismus auseinander und wurde so zu einem Ruhepol für angefochtene Christen, vor allem unter der Jugend. Da er der Meinung war, dass nur eine geeinte Christenheit dem Druck des Staates gegen­über­treten könne, arbeitete er uner­müd­lich für ein ökumenisches Miteinander. Er war der Motor der Beziehungen zur katholischen St. Bonifatius-Gemeinde. Es wird unvergessen bleiben, dass bei seiner Trauerfeier ein konservativer evangelischer Professor und der katholische Erzpriester nebeneinander gingen, als sie dem Sarg folgten, und dann gemeinsam an das Grab von Pfr. Franke traten.

Ruhestätte der Grauen Schwestern von der Heiligen Elisabeth

21a: Ruhestätte der Grauen Schwestern von der Heiligen Elisabeth.
Sie wirkten bis 1977 im Elisabeth-Krankenhaus.

21b: Prälat Jakob Stranz, 28.10.1869–18.09.1959: Erster Propst der katholischen Gemeinde. Er verwirklichte den Bau der St. Bonifatius­kirche und brachte 1931 die Errichtung des St. Elisabeth-Krankenhauses auf den Weg.